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Ist der spanische Wohlstand bedroht
Geschrieben von: Ute Müller   
Sonntag, den 09. November 2008 um 16:21 Uhr

Spanien – das neue Armenhaus Europas?

Armut in Europa: Das betrifft ja nur Bulgarien oder Rumänien, denkt man. Doch weit gefehlt: Spanien verliert den Anschluss an Europas Spitze. Jahrelang haben viele Spanier auf Pump gelebt. Nun droht eine neue Massenarmut. Die Regierung will die Wirtschaft angeblich massiv stützen - wirklich?
Kampf gegen Armut: Nach Meinung dieser Demonstranten wird das in Spanien zur vordringlichen Aufgabe der Politik

Foto: REUTERS

Nach Meinung dieser Demonstranten wird das in Spanien zur vordringlichen Aufgabe der Politik

Umfrage

Sollte der Staat mit Konjunkturhilfen dem wirtschaftlichen Abschwung begegnen?

Für die Eheleute Orlando sind die eigenen vier Wände zum Albtraum geworden. Als sie vor drei Jahren die Wohnung in Madrid gekauft haben, lag die monatliche Belastung bei 1100 Euro. Inzwischen sind es 1700 Euro, weil die Bank mehr Zinsen will. Das geht, weil anders als in Deutschland die Raten nicht auf Jahre festgeschrieben sind. Seit fünf Monaten ist Romualdo Orlando nun noch arbeitslos. Entschuldung durch Verkauf scheidet aus, weil die Wohnung durch die Immobilenkrise dramatisch an Wert verloren hat – wenn es denn überhaupt noch Interessenten gibt. So gehören die Orlandos jetzt zu den 180.000 Familien in Spanien, denen die Zwangsversteigerung ihres Hab und Guts droht.

Nun rächt es sich, dass ein ganzes Land auf Pump gelebt hat – und viele die Gefahren ignorierten. Aus vermeintlichem Reichtum für alle kann nun leicht Massenarmut werden. In Spanien ist Baugeld in der Regel an den europäischen Interbankenzinssatz Euribor gekoppelt - und der ist durch die Finanzkrise dramatisch gestiegen. "Wir wussten nicht, worauf wir uns mit den flexiblen Zinssätzen eingelassen haben, die Banken haben uns ja so zugeraten", klagt Rosa María Afan, die für ihre Wohnung anstatt 750 Euro nun 1490 Euro im Monat zahlt. Immerhin hat sie Arbeit. Noch.

 Finanzkrise

So kam es dazu

Im Oktober wurden in Spanien jeden Tag 6200 Menschen arbeitslos, damit verloren fast 200.000 in einem einzigen Monat ihren Job. Das hatte man zuletzt vor zwölf Jahren erlebt. Schon jetzt hat das Land mit 11,9 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Vor einem Jahr waren es noch 8,3 Prozent. Die Brüsseler Experten haben dem einstigen Boomland bis zum Jahr 2010 gar eine Quote von 15,5 Prozent vorhergesagt - doppelt so viel wie der EU-Durchschnitt. Im dritten Quartal registrierte das Land erstmals seit fünfzehn Jahren eine sinkende Wirtschaftsleistung.

So wie über ein Jahrzehnt lang nun die Baustelle der Ausdruck neuen Wohlstandes war, so wird nun die Bauruine Ausdruck des Niedergangs. Keine Stadt und kaum ein Dorf auf der iberischen Halbinsel, an deren Rand nicht Betonfassaden mit leeren Fensterhöhlen stehen, das Erdgeschoss zugemauert, das Grundstück mit einem hohen Zaun umfriedet, die Kräne verwaist. Die Bauindustrie war in der jüngeren Vergangenheit das Auffangbecken für viele Immigranten, ob legal oder illegal. Sie trifft das Ende des Aufschwungs besonders hart. Spanien zahlt ihnen inzwischen Prämien, wenn sie in ihre Heimaltländer zurückkehren – damit sie die Sozialkassen nicht langfristig belasten. Die Bauindustrie war auch Anlaufstelle für vor allem junge Menschen ohne Ausbildung. Sie stehen nun wieder vor den Arbeitsämtern Schlange.

G-20-Gipfel


Spanien erhielt keine Einladung für den Gipfel G-20-Gruppe am 15. November in Washington, wo über die Weltfinanzkrise debattiert wird. Premier José Luis Rodríguez Zapatero versucht mit allen Mitteln, noch eine Fahrkarte zu bekommen. Der französische Staatspräsident Nicolás Sarkozy will Zapatero eine Einladung überlassen. Die Franzosen haben zwei wegen ihrer EU-Ratspräsidentschaft und ihres Status als G-7-Mitglied. Als Fürsprecher hat Zapatero auch den britischen Premier Gordon Brown, den EU-Kommissionspräsidenten Durrao Barroso sowie Brasiliens Staatschef Lula gewonnen. Spanien hat an Wirtschaftskraft 2007 das G-8-Land Kanada überholt, wurde aber inzwischen von China und Russland überflügelt. ute


Von drohender Verarmung sind aber bei weitem nicht mehr nur Einwanderer und Geringqualifizierte betroffen, auch junge Familien, Universitätsabgänger, Geschiedene, die sich die Wohnung nicht leisten können und wieder bei den Eltern einziehen müssen. Mittlerweile sind auch lange Schlangen vor den Sozialstationen wieder ein gewöhnliches Bild in Spanien.

In der Herberge San Martín de Porres im Süden von Madrid etwa finden Menschen, die von Spaniens neuer Armut betroffen sind, Bett und Abendessen. Das bereitet tagtäglich der Dominikanermönch Pater Ramiro. "Bei uns landen immer mehr Leute, denen man niemals ansehen würde, dass sie hierher kommen", erklärt der Pater, der sogar die Betten eigenhändig bezieht. Auf die Hilfe solcher Anlaufstellen waren einem Bericht der Caritas zufolge allein in der Hauptstadt bereits 70 000 Menschen angewiesen.

Inzwischen sind auch weitere Schlüsselsektoren der spanischen Wirtschaft wie etwa die Automobilindustrie betroffen. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust und sozialem Abstieg treibt die sonst so spendierfreudigen Spanier zum Konsumverzicht. Der Kaufhauskonzern El Corte Inglés, mit 110.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Spanien, vermeldet das erste Mal in seiner Geschichte rückläufige Einnahmen. "Nicht einmal Anfang der neunziger Jahre, als die spanische Wirtschaft nach den Olympischen Spielen in Barcelona förmlich einbrach, war es so schlimm wie jetzt", sagt Angel Aguado, Bereichsleiter bei dem Konzern.

Das Nationale Statistikamt konstatiert im Dienstleistungssektor den größten Arbeitsplatzverlust seit 2003. Nicht nur der Einzelhandel, sondern auch Hoteliers und Gastronomie klagen über rückläufige Umsätze, die Sommersaison ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Weiterführende Links
"Wir haben zu lange über unsere Verhältnisse gelebt", so José Ramón Urrutia, Wirtschaftswissenschaftler im Baskenland. In der Tat hat das Land das zweitgrößte Zahlungsbilanzdefizit der Welt hinter den USA. Bis August stieg es um 6,5 Prozent auf 73 Mrd. Euro. Das größte Loch klafft in der Handelsbilanz mit 67 Mrd. Euro und die Einnahmen aus dem Tourismus reichen schon längst nicht mehr aus, um das Defizit zu kompensieren.
Auch bei den Staatsfinanzen sieht es düster aus. Nachdem lange Zeit Überschüsse erzielt wurden, wird Spanien 2008 wegen der rückläufigen Steuereinnahmen wieder ein Haushaltsdefizit ausweisen. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero gibt der Weltfinanzkrise die Schuld. Und Finanzminister Pedro Solbes sträubt sich hartnäckig, das Wort "Rezession" in den Mund zu nehmen. Dabei ist offensichtlich, dass das spanische Wirtschaftsmodell unhaltbar ist. Viel zu lange setzte man auf Bau und Tourismus, statt Forschung und Entwicklung zu fördern. Auch das Bildungswesen wurde sträflich vernachlässigt. "Bei Erziehung und Ausbildung sind seit Einführung der Demokratie in Spanien die Anforderungen Jahr für Jahr gefallen", moniert Jesús Encinar, einer der wenigen Spanier, die zu den "Young global leaders" des Weltwirtschafsforums von Davos geladen wurden.
Zapatero glaubt immer noch, dass er Spanien aus dem Konjunkturtal führen kann. Mit einem milliardenschweren Stützungsprogramm für die Banken soll die Kreditvergabe wieder angekurbelt werden. Auch den in Bedrängnis geratenen Häuslebauern will er unter die Arme greifen. Familien wie die Orlandos, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, müssen künftig nur noch 50 Prozent der monatlichen Hypothek bezahlen, die andere Hälfte garantiert der Staat. Diese Maßnahme soll bis Ende 2010 laufen. Bis dahin, so hofft Zapatero, hat Spanien wieder auf den Wachstumspfad zurückgefunden.
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Ökonom Urrutia sieht die Zukunft pessimistischer. "Dem Staat werden schon sehr bald die Mittel fehlen, um als Wohltäter auftreten zu können", meint er. Der Weltwährungsfonds sieht die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um 0,7 Prozent schrumpfen und hat wenig Hoffnung auf schnelle Besserung. Damit ist Spanien zwar noch längst nicht das schwächste europäische Land. Doch die Fallgeschwindigkeit ist enorm. Schon jetzt hat die Regierung keinen Spielraum mehr, wie Wirtschaftsminister Pedro Solbes gerade einräumen musste.

Forscher Urrutia sieht in Spanien gar das Ende der Wohlstandsgesellschaft gekommen: "Wir Spanier werden am Ende um 20 Prozent ärmer sein. Und es wird alle treffen: Anleger, Sparer, Rentner und Arbeitnehmer."

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 09. November 2008 um 16:30 Uhr
 

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